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  • Ein Cowboy in der DDR

    Von    |   20. Dezember 2007   |   0 Kommentare

    Biographien liest man vorzugsweise deshalb, weil man über bekannte Leute mehr erfahren will. Dean Reed hingegen kennt kein Schwein. Gerade deshalb sollte man sich an ein paar ruhigen Tagen Stefan Ernstings Buch „Der Rote Elvis“ geben.

    deanreed.jpgDas Leben des Amerikaners hört sich an wie ein überladenes Drehbuch. Geboren in Colorado, versucht Reed sein Glück als Musiker zuerst in Los Angeles. Dort will niemand seine Songs hören, dafür verkauft er in Chile Platten wie warme Weggli. Es folgen einige Jahre Südamerika, in denen Reed sich politisch aktiv gibt. Als überzeugter Kommunist hat er in den Staaten schnell nichts mehr verloren. Doch auch Südamerika ist Ende 60er/Anfangs 70er-Jahre kein ruhiges Pflaster. Reed findet jedoch bald sein Traumland: Die DDR. Dort und in den östlichen Staaten wird der Cowboy zum Superstar. In der Sowjetunion spielt er in ausverkauften Stadien. Die Girls wollen ihm die Kleider vom Leib reissen. Dean Reed ist der Superstar des Kommunismus.

    Doch in den Achtzigern wendet sich das Blatt gegen Reed. Mit der kulturellen Lockerung in den sozialistischen Staaten können sich die einheimischen Rockbands besser entfalten. Niemand braucht mehr einen abgehalfterten Amerikaner, der immerzu seine Liebe über den Weltfrieden singt. Reed verfängt sich zudem immer mehr in politischen Gegensätzen: Er pflegt einen regen Kontakt zur PLO, verteidigt die Berechtigung der Berliner-Mauer, will aber trotzdem zurück in die USA, um dort seine Karriere wieder aufzufrischen.

    So weit kommt es indes nicht. Reed wird am 17. Juni 1986 tot aus einem See bei Berlin gefischt. Er beging Selbstmord. Doch trotz seiner zuvor gesteigerten geistigen Labilität und eines langen Abschiedsbriefes halten sich bis heute Mordverschwörungstheorien.

    „Der Rote Elvis“ offenbart neben dem bewegten Leben von Dean Reed auch jede Menge westliche und östliche Musikgeschichte. Der Filmemacher Leopold Grün drehte überdies einen Dokumentarfilm (Trailer hier), und Tom Hanks hat sich die Rechte für einen Spielfilm gesichert. Dean Reed kommt so auch in der westlichen Welt noch zu Ehren.
    Dean Reed – Beatles Medley

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