Archiv für Dezember 7th, 2007

Radiohead-Alarm

Radiohead-Alarm 1: Langsam treffen die ersten Discboxes von Radioheads “In Rainbows” bei denen ein, die sie bestellt haben. Das Unvermeidliche dabei: Jeder zweite Blogger stellt ein Bild ins Netz, das seine “In Rainbows” Discbox zeigt. Toll.

Radiohead-Alarm 2: Die basisdemokratische anti-und-irgendwie-doch-kommerz Downloadvariante, bei der jeder Nutzer seinen Kaufpreis selber bestimmt, gibt’s nur noch bis am 10.12. (Achtung Verschwörung, wieder eine 10!). Danach gibt’s den normalen Download bei iTunes und ab 31.12. schliesslich auch die CD (XL Recordings). (via Radiohead.com)

> Radiohead-Hype bei 78s
> Radiohead Tourdaten


The Wu Is Back – endlich Real Talk

Selten wurde vor einer Veröffentlichung so viel Luft abgelassen wie vor dem neuen Wu-Ding. RZA versprach “next level shit”, Raekwon hingegen nannte den Masterproduzenten einen “Hip Hop Hippie”, Ghostface sprach von “Bullshit” und wollte die Veröffentlichung gar annullieren. RZA entgegnete nur: “Trust me“. Jetzt ist das Teil tatsächlich hier, und der Clan tönt alles andere als zerstritten. Die Frage, ob “8 Diagrams” den endgültigen Wu-Tang Clan Niedergang oder eher eine Wiedergeburt bedeutet, ist trotzdem schwierig zu beantworten.

Zum einen ist klar, dass die rohe Brachialität des alten Wu-Tang Sounds heute fehl am Platz ist. Wenn ehemalige Schwertkämpfer aber an gelangweilte Sunnyboys erinnern, ist was falsch gelaufen. “Take it back” und “Get Them Out Ya Way Pa” hätte man sich definitiv sparen können. Daran ändert weder der akrobatische Flow noch die druckvolle Lyrik etwas. RZA hat es selber geahnt: “Vielleicht sagt ja jemand, RZA, das nächste Mal, wenn du ein verdammtes Album machst, bleib gefälligst in deinem Keller!” – Und schliess die Fenster, Mr. Diggs.

Zum anderen haben es die Shaolin Soldiers geschafft, ihren rohen, energetischen Sound in die Neuzeit mitzunehmen, ohne in bereits besetzte Räume einzutreten. Das wilde “Unpredictable” kommt dem Vorsatz “next level shit” sehr nahe, “Gun Will Go” und “Windmill” schaffen Brücken zwischen Schattenboxen und Spiritualität, “The Heart Gently Weeps” (aufgenommen mit George Harrisons Sohn) und “Sunlight” schliesslich strotzen vor Glückseligkeit, ohne “das Gefühl von Hunger und Durst” (GZA) zu vergessen. Ein Spagat zwischen 90s und Neuzeit, zwischen Ghetto und Villa, zwischen Rohdiamant und Perlenkette, den man RZA nicht hoch genug anrechnen kann.

Für eine Wiedergeburt fehlt “8 Diagrams” (Bodog Music / Phonag) aber die ungebremste Energie, der sich vor 14 Jahren, als die Wu-Saga ihren Anfang nahm, niemand entziehen konnte. Das erste Clan-Album seit 6 Jahren ist evolutionär, aber kein Erdbeben.


Neuer Song von Supergrass

Supergrass sind zurück mit einem Hammer-Song. “Diamond Hoo Ha Man” ist via ihre Webseite nach Angabe einiger Personalien in einer Live-Version gratis downloadbar. Sehr empfehlenswert das Teil, auch wenn der Song etwas gar stark nach den White Stripes tönt.

Supergrass – Diamond Hoo Ha Man (Web-Rip)

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> hier könnt ihr den Song in einer Live-Version gratis beziehen


Neue Songs von Hot Chip

Hot Chip werden am 5. Februar mit “Made in the Dark” den Nachfolger zum gefeierten Album “Warning” veröffentlichen. Mittlerweile sind bereits vier neue Songs davon aufgetaucht. “Shake A Fist” und “Ready for the Floor” sind grandios, der über die Webseite der Londoner gratis erhältliche “I Become a Volunteer” eher schrecklich und der vierte Song “My Piano” ist irgendetwas zwischendurch.

Hot Chip – Shake A Fist

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Hot Chip – Ready for the Floor (Audio)

Hot Chip – Ready for the Floor (Video)


Frauenpower.

Zwei neue Musikvideos – für Augen und Ohren:

Mina (feat. Pål Angelskår von Minor Majority) – Living In Between (hier gelobt).

Annie Lennox – Sing.

Den Song zum Thema HIV hat sie zusammen mit Madonna, Joss Stone, Celine Dion, Dido, Gladys Knight, kd Lang, Angelique Kidjo, Bonnie Raitt, Shakira, Melissa Etheridge, Sarah McLachlan, Fergie, Anastasia, Beverley Knight, Faith Hill, P!nk, Sugababes, Martha Wainwright, Isobel Campbell, Beth Gibbons, KT Tunstall, Shingai Shoniwa und Beth Orton aufgenommen.


78sTV: lofiDogma mit The Lo Fat Orchestra

Wie Lo Fat und Lo Fi zusammenpassen hat das Schaffhauser Trio The Lo Fat Orchestra im Sound Development-Studio während den lofiDogma-Aufnahmen bewiesen. Für die zweite Staffel der lofiDogma-Aufnahmen, die 78s begleiten durfte, haben sich The Lo Fat Orchestra auch auf ein neues Sofa inklusive neuem Hintergrund fläzen dürfen. (zum Archiv von 78s meet lofiDogma).

> The Lo Fat Orchestra – “This Is How I Love You” (Lofidogmatic)


YouTube Direktlink


Ja, es gibt eine neue Gratiszeitung (mit “Kultur”)

Und welch Wunder, “NEWS” macht sogar Kultur-Journalismus. Auch wenn’s aus Blogger-Sicht natürlich wenig Sinn macht, über eine Newcomerin wie A Fine Frenzy aka Alison Sudol ein Interview abzudrucken, wenn sich die Leserschaft überhaupt kein Bild von der Musik machen kann, sprich gar nicht weiss wie die Musik sich konkret anhört. Wir schaffen gerne Abhilfe: A Fine Frenzy ist betörend, zerbrechlich und verführerisch und tönt so:

A Fine Frenzy – Almost Lover (Audio) / (Video)

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A Fine Frenzy – Come On, Come Out

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> Das Album “One Cell in the Sea” ist bereits im Juli erschienen und hier erhältlich.


Feist und Amy kämpfen gegeneinander um Grammys!

Die nominierten Künstler, Produzenten etc für die 110 Grammy-Kategorien wurden gestern bekanntgegeben. Auffallend: die Nominierung von Amy Winehouse in praktisch allen relevanten Kategorien. Zur grossen Überraschung darf man wohl die drei Nominationen von Feist zählen (Apple hat da sehr gute Arbeit geleistet), die u.a. auch in der Kategorie bestes Pop-Album und in der Newcomer-Kategorie gegen Amy antreten wird. Alle Nominierungen gibt’s hier.


Justice in Zürich: Gratistickets hier!

Zum ersten Mal nach dem Release ihres folgenschweren Albums “  werden die beiden Franzosen von “Schüstiss” in der Schweiz auftreteten. Den live generierten Starkstrom gibtz am 20.12. im Q-Club. Hoffentlich werde ich meine Fragen dann nun endlich klären können und hoffentlich, ja hoffentlich sind die beiden Herren besser als der letzte EdBanger Act den ich mir angetan habe

Da der Gig in Lausanne (21.12.) schon ausverkauft zu sein scheint, wird allen, die diesem auditiven Fallout beiwohnen wollen, geraten, sich die “ .i.c.k.e.” .s. für den Auftritt im Zürcher Q schnellstens zu besorgen (Starticket).

Oder aber – Trommelwirbel – ihr lasst euch Tickets von uns schenken. Wir verlosen nämlich 10×2 Gratistickets für das Konzert. Was ihr dafür tun müsst? Einfach unter diesem Artikel einen Kommentar hinterlassen, der euren kompletten Namen enthält (5 verschiedene Fantasienamen helfen euch nicht weiter. Dann kommt ihr vielleicht auf die Gästeliste, aber nicht rein, weil der Ausweis nicht passt. Also bitte gar nicht erst versuchen). Am Sonntag 16.12. um 20:00 ist Teilnahmeschluss. Viel Glück.

Update: Die Verlosung ist beendet. Für Gewinner siehe hier.


Morrissey vs NME

Letzte Woche hat Morrissey sein 15-jähriges Schweigen gegenüber dem NME gebrochen. Das Verhältnis zwischen dem New Musical Express und Steven Patrick Morrissey war seit 1992 nachhaltig gestört, nachdem Morrissey an einem Reunion-Gig der Ska-Band Madness in eine englische Nationalflagge gehüllt und flankiert von zwei Skinheads auftrat und seinen umstrittenen Song “The National Front Disco” spielte, was als Sympathiebekundung zur rechtsextremen Partei National Front interpretiert wurde. Dieser Auftritt trat in England eine Rassismus-Debatte los, die in einem Morrissey-Boykott einiger Musikmagazine resultierte. Morrissey wollte danach nichts mehr vom NME und der NME nichts mehr von Morrissey wissen.

Das Interview letzte Woche hat deshalb hohe Wellen geschlagen. Allerdings nicht alleine aufgrund des gebrochenen Schweigens, sondern vor allem auch, weil Morrissey im NME erneut mit rassistischen Aussagen zitiert wurde. “Bigmouth Strikes Again … Oh Dear Not Again” lautete die Schlagzeile. Obwohl er nichts gegen Menschen aus anderen Ländern habe, verschwinde die britische Identität mehr und mehr, je grösser die Einwanderung werde, wurde Morrissey weiter zitiert. Wenn man nach England reise [Morrissey lebt zurzeit in Italien, davor hat er mehrere Jahre in LA residiert] habe man keine Ahnung wo man sei. Im Londoner Stadtteil Knightsbridge höre man jeden Akzent ausser den englischen. Diese Zeilen waren natürlich Öl ins Feuer der Rassismus-Kritiker traten eine erneute Debatte über Rassismus in der Pop-Musik los.

Morrissey hat dieselbe Textstelle natürlich anders in Erinnerung:

Me: “If you walk down Knightsbridge you’ll be hard-pressed to hear anyone speaking English.”
Tim[Interviewer]: “I don’t think that’s true. You’re beginning to sound like my parents.”
Me: “Well, when did you last walk down Knightsbridge?”
Tim: “Um… Knightsbridge… is that where Harrods is?”

Morrissey und Rassismus-Vorwürfe gehen schon länger Hand in Hand: Seine Songs “Bengalie in Platforms” und The National Front Disco mit der zynischen Textzeile “England for the English” wurden wiederholt als rassistisch ausgelegt. Seiner zweideutigen und provokativen Texte wegen wurde er auch schon pädophiler Äusserungen beschuldigt, zum Beispiel wegen der Songzeile “The hand that rock the cradle” aus “Reel Around the Fountain” aus dem The Smiths-Debüt.

Damit befand sich “Moz”Anfang der 80er aber in bester Gesellschaft. Joy Division kokettierten zur gleichen Zeit auf sehr fragwürdige Art und Weise mit der Naziästhetik. Joy Division dazu: “Wir wussten, dass wir keine Nazis waren, aber wir haben ständig Leserbriefe im NME gekriegt, in denen uns vorgeworfen wurde, Eichmann im Kohlekeller zu verstecken”. Jahre später äusserten sich Joy Division erneut zu diesem Thema und bekannten sich zum Reiz des Faschismus’. Sie seien fasziniert gewesen durch die Schönheit der Kunst, Architektur und des Designs, ja sogar der Uniformen, die trotz all dem Hass in dieser Zeit zum Ausdruck kamen.

Für einige mögen solche provokativen Statements von Künstlern zu weit gehen, für andere im Rahmen der künstlerischen Freiheit liegen und für Dritte ist Morrissey einfach alt geworden. Für eine Boulevard-Zeitung, die solche Äusserungen geradezu ausschlachten muss und keinen Platz hat für differenzierte Abhandlungen, ist es ein gefundenes Fressen. Dass sich der Autor des Interviews mittlerweile vom Morrissey-Text distanziert hat (via) und der Chefredaktion vorwirft, den Text verschärft zu haben, trägt allerdings nicht gerade zur Glaubwürdigkeit des NMEs bei. Die Credits unter dem Text lauten nun: “Interview: Tim Jonze, Words: NME”. Morrissey und sein Management wollen den Zwist nun gerichtlich weiterziehen. Ob Morrissey nun ein Rassist ist, oder zumindest Gedankengut eines Rassisten in sich trägt, das weiss wohl nur Morrissey selber.

Wir haben die Debatte, und fragen uns wieder einmal wieviel Provokation in der Kunst erlaubt ist (Stichwort Thomas Hirschhorn). Der NME hat eine grosse Auflage und Morrissey wird wohl definitiv im Ausland alt werden (er lebt zurzeit in Italien), wo er seine Nachbarn nicht versteht, ausser natürlich all die anderen Engländer, die in Südeuropa ihren Lebensabend geniessen.

> Morrisseys Antwort im Guardian auf die Rassimus-Vorwürfe
> Die Joy Division-Zitate wurden dem Buch “Rip it up and start again” von Simon Reynolds entnommen (Hannibal-Verlag, 2007)


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