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  • 78s-Motel: Fifty Foot Mama’s Little Red Rooster

    Von    |   3. November 2007   |   0 Kommentare

    Ich erzähl Euch mal was über meine erste Platte. Ich hatte eine ziemlich fesche Mutter. So eine, die gut zu uns war, weil sie auch gut zu sich selber war. Die hatte zwar diesen typischen 70er Jahre Hausfrauen-Job, machte sich aber jeden Tag voll flott. Sie war die Lady Di von Züri Wollishofen – hilfsbereit und unwiderstehlich stylish. Sie konnte Säcke voller Food heimschleppen in Stöckelschuhen, die höher waren als unsere Legotürme und in Röcken, die kürzer waren als unsere Fransen. An freien Nachmittagen bretterten wir im hellgrünen Ford Taunus in die City. Schon im Auto drehte sie den Sound so auf, dass an den Ampeln die Typen in den Kisten nebenan grinsend die Scheiben runterkurbelten und Dinge in Erwachsenensprache zu ihr sagten, die sie sichtlich glücklich machten. Man traf sich also mit jemandem auf einen Drink, dann donnerte man im Rausch der Dezibel wieder Heim.

    In der Dreizimmerwohnung im sechsten Stock ging dann voll die Disko ab. Sie schnallte sich jeweils enge Trainingshosen an, legte Sound auf und tanzte ungefähr so, wie heute die Girls bei diesen Dance-Castings – einfach viel besser. Mein kleiner Bruder und ich fanden es Spitze, sassen auf dem Sofa und gafften. Ihre Lieblingsscheiben waren ein paar alte Stones Seven Inches aus ihrer Jugend. Auf jeder Scheibe hatten ganze vier Songs Platz! Sie schraubte sich zuerst mit den Krachern hoch, zb. «Not fade away», dann geriet sie völlig ausser Kontrolle bei der Schmacht Nummer «Heart of Stone» und kühlte sich dann mit «House of the Rising Sun» von den Animals wieder auf Hausffrauentemperatur ab. Wenn die Show vorbei war, konnten mein Bruder und ich uns endlich dem widmen, was uns am meisten interessierte am Ganzen. Das war dieses autonome Ding im Buffet drin, das Triebwerk der Magie, das Kernkraftwerk der Ekstase unserer Mutter. Dieses Ding mit der Nadel an einem Metallärmchen. Das Metallärmchen hob sich so wie von Geisterhand selber aus der Angel, schob sich zum platten schwarzen Rund hinüber, und liess sich dann mit diesem «Krchkrch» Sound darauf nieder. Das Ärmchen arbeitete sich so in der Rille drin, in der drehenden Scheibe geduldig gegen Innen vor, und mein Bruder und ich versuchten still zu verstehen was da vor sich ging. Wir lernten beide nie recht schwimmen, wir waren Eier in Ballspielen, wir waren die Anti Pfadis unserer Generation und wir waren scheu, aber wir wurden zu den DJs unserer Mutter. Was für ein Job! Eine Platte faszinierte uns ganz besonders. Es war die B-Seite von Heart of Stone. Die Single hatte so einen Buck am Rand. Der machte Action, weil man nie so sicher war, ob die Nadel den Buck schaffen würde, denn sie hüpfte da so gefährlich drüber. Auch klangtechnisch eröffnete der Buck uns neue Welten.

    However Jedenfalls handelte es sich um den Song Little Red Rooster, ein alter Blues Klassiker, den die Stones ziemlich okay als B-Seiten Füller von einem schwarzen Kollegen geklaut hatten. Es war meine erste Platte und es ist wohl auch der meistgehörte Song meines Lebens. Ich konnte den Text in und auswendig, bevor ich ein einziges Wort der Englischen Sprache kapierte und das Sleeve-Foto der Single prägte mich nachhaltig. Ich hab noch immer eine Schwäche für Männer mit langen Haaren in engen Jeansjacken. Warum gerade dieser Song? Keinen blassen Schimmer. Er ist popkulturell völlig unbedeutend, mittelmässig gespielt und gesungen, auch klangtechnisch von mässig glanzvoller Ausstrahlung und alles in allem etwas langweilig. Vielleicht ist es der treibende Groove, das Schleppende, leicht Leidende, das etwas Laszive? Will man das so genau wissen, warum man einen Song so liebt? Kann man es überhaupt erklären, wenn man es weiss? However – ich würd mich freuen über Eure Meinungen zu Little Red Rooster. Es gibt übrigens ne tolle Version von Howlin‘ Wolf!
    Greets, your Fifty Foot Mama

    Illustration: Sarah von Blumenthal

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