Archiv für Oktober 4th, 2007
Keak Da Sneak
Wer kennt Keak Da Sneak? Wahrscheinlich niemand – und das, obwohl der US-Rapper am 6. November bereits sein 23. Soloalbum veröffentlichen wird. Unterstützt wird der nimmermüde Bay Area Emcee dabei von Leuten wie Prodigy, Alchemist oder Daz Dillinger. Hört man den G-Funk Beat der ersten Single, “N Front of Yo Momma’s House“, wird man den Verdacht allerdings nicht los, das 23. Album biete zum 23. Mal das Gleiche. Laut Wikipedia ist der Veteran übrigens ganze 28 Jahre alt.
Von Gregor Frei | 4. Oktober 2007 | 0 Kommentare
Der Kult geht in die nächste Runde
Anfang Jahr stand Ian Astbury (2. v.l.) auf der Bühne des Volkshauses in Zürich. Nicht, um mit seiner langjährigen Band The Cult aufzutreten, sondern um ein Ding der Unmöglichkeit möglich zu machen. Er sollte aus dem Schatten des übermächtigen Jim Morrison heraus treten, dem legendären Sänger bei The Doors, der vor 36 Jahren gestorben ist. Astbury performte zusammen mit den Doors-Gründungsmitgliedern Robby Krieger und Ray Manzarek als Riders On the Storm die Songs, mit denen Jim Morrison Kultstatus erreicht hatte. Doch obschon Astbury seine Aufgabe im ausverkauften Volkshaus mit Bravour löste, kehrte er den Riders On the Storm im März dieses Jahres den Rücken zu – um das Feuer bei The Cult wieder zu entfachen.
Zusammen mit The Cult hatte Astbury in den 80ern für rockige Furore gesorgt. Zwei Mal löste sich die Band bis heute auf – zweimal fand sie wieder zusammen. Einzig Ian Astbury und Billy Duffy hielten dem Kult stets die Treue. Das neue Album “Born Into This” (Roadrunner/Musikvertrieb) ist der aktuelle Beweis dieses Bekenntnisses. Dieses bietet in erster Linie Hardrock-Nummern, die über weite Strecken von Astburys kräftigem Gesang zehren und leben: Die erste Single “Dirty Little Rockstar” ist ein Beispiel dafür. Auch “Illuminated” oder “Tiger In the Sun” sind rockige Musterbeispiele und Prachtsexemplare. Aber, sie machen auch deutlich, dass The Cult ihre besten Zeiten hinter sich haben. Egal, wie druckvoll, gitarren- und drumlastig die Songs sind, egal wie hart sich Astbury auch heute noch ins Zeug legt: Es fehlen Übersongs wie es “She Sells Sanctuary”, “Lil’ Devil” oder “Painted On My Heart” waren. Diese Intensität erreicht auf “Born Into This” einzig das ruhige “Holy Mountain”, bei dem Astbury einerseits aufblitzen lässt, dass er nach wie vor zu den wandlungsfähigsten Sängern im Hardrock-Bereich zählt. Andererseits macht der Song auch deutlich, weshalb Astbury das Erbe von Morrison antreten durfte…
Von Silvan Gertsch | 4. Oktober 2007 | 0 Kommentare
Oi Oi oi
“I think new rave is just another word for electroclash, the music has always been there it’s just been built up again by the NME and those bands [...]“
Mit diesen Worten äusserte sich Produzent und DJ Alex Ridha aka Boys Noize (aka Kid Alex) kürzlich im Interview mit Jonty Skrufff (bei Trackitdown nachzulesen) zum Hype um den ominösen Begriff des New Raves. Er wolle in Zukunft auch keine Remixes für Indie-Bands mehr machen, die Szene langweile ihn. (Auf seinem letzte Woche erschinenen Debut-Album ist jedoch trotzdem sein Remix von Feist’s My Moon My Man angehängt…) Die Zielgruppe von Oi Oi oi (Boiysnoize Records) seien eigentlich DJs, die Clubs bräuchten wieder mehr Techno…
Persönlich habe ich etwas Mühe den “neuen” Alex Ridha zu verorten. Er wirkt sehr zielbewusst und zugleich zeigt sich ein innerer, zum Teil fast schon arroganter Hass gegen eine “Szene” an der er ja irgendwie auch beteiligt ist (oder zumindest war). Vielleicht nervt es ihn, dass seine beiden (übrigens sehr geilen) Kid Alex Scheiben sich nicht so verkauft hatten, wie er’s verdient hätte und dass die Klaxons zum “richtigen Zeitpunkt” mit medialen Inszenierung und Rückendeckung einen solchen Hype entfachen konnten… Wer weiss…
Aber lassen wir seine Äusserungen und meine Spekulationen bei Seite und fokusieren uns auf das Album. Oi Oi oi steht in der Tradition von Daft Punk Generika, was keineswegs negativ aufgefasst werden sollte, die Scheibe ist wirklich herrlich: Sehr archaisch, verdammt hart und doch schön verspielt. Es sind vor allem ultra clubbige und äusserst technoide Synthie-Noise und Vorschlaghammer-Beat Collagen, die sich eben nicht nur an “klassischen” Technostilen, sondern auch an Rock-, Hip Hop- und Breakbeat Dramatugien orientieren. Sicher, im Club kommtz besonders fett, aber auch zuhause oder unterwegs macht die Scheibe durchaus Spass. Nomenklatur und Zielgruppe hin oder her, reinhören sollte man auch als New Rave Kiddy und Nicht-DJ…
Boys Noize – “Live”
02.11. Hive – Zürich
03.11. Das Schiff – Basel
Von Robin Fürst | 4. Oktober 2007 | 1 Kommentar
Love has torn him apart
“Ich gab der Musik alles, und jetzt soll ich noch mehr geben?”
Diesen Satz schrieb Joy Division Frontmann Ian Curtis kurz vor seinem Suizid in sein Notizbuch. Er wiederspiegelt, wie zerrissen und aufgelöst sich Curtis in den letzten Tagen seines Lebens fühlte. Sein Verhältnis zur Musik war traumatisiert, dazu kamen die Unfähigkeit, sich zwischen Familie und Affäre zu entscheiden.
Der Starfotograf Anton Corbijn hat sich in seinem Spielfilmdebüt “Control” der Biographie von Ian Curtis und Joy Division angenommen (wir berichteten bereits hier darüber). Ihm war der Stoff so wichtig, dass er die Hälfte des 4,5 Millionen Euro Budgets selbst finanzierte. Gedreht wurde an Originalschauplätzen in Macclesfield nahe Manchester, wo Curtis lebte.
Nun war der Film anlässlich des Cologne Conference Film- und Fernsehfestivals in Köln zu sehen. Und der Streifen erfüllt die hochgesteckten Erwartungen. Corbijn ist es in atmosphärisch dichten Bildkompositionen gelungen, bedachtsam die Geschichte von Curtis zu erzählen. Die des milchgesichtigen Glamboys, der sich zur ersten Postpunk-Ikone wandelt, die er zu Lebzeiten aber nie war. Ian Curtis erhängte sich am Tag vor der Abreise zur ersten US-Tournee, die höchstwahrscheinlich der Band zum Durchbruch verholfen hätte.
“Control” wird in einer Woche in England anlaufen. Für die Schweizer Fans sieht es leider düster aus: Der Film hat noch keinen Verleiher gefunden. Gut möglich, dass wir dieses Meisterwerk erst auf DVD bestaunen können.
Von Urs Arnold | 4. Oktober 2007 | 6 Kommentare
Kojis fahler Geschmack (Vol. III)
Warum zum Teufel hören FCB-Fussballer nur komische Musik? Streller mag “Bruttosozialprodukt” von Geier Steigflug. Degen liebt Italo-Pop und “She’s Madonna” von Robbie Williams.
Nun äussert sich auch Japan-Verteidiger Koji Nakata zu seinem Musikgeschmack. Obwohl er sehr auf die Verpackung achtet (“Ich schaffe mir stets das neuste iPod-Modell an”), interessiert sich auch Nakata nicht für den Inhalt.
Seine Top-Tracks (Quelle SI GOAL): The Impossible Dream (Sarah Connor), Right Man (Christina Aguilera), Something (Shakira), Since U Been Gone (Kelly Clarkson).
Gigi Oeri, kauf doch bitte den Scholl!
Von Beni Widmer | 4. Oktober 2007 | 1 Kommentar
Radiohead: Das Verkaufsmodell funktioniert
Die Rechnung scheint für Radiohead aufzugehen. Die Band bietet ihr neues Album, das am 10.10. als Download erscheint, zum user-generated-price an. Der Konsument bestimmt, wie viel er für das Album bezahlen will. Das hat der Band grosse Medienpräsenz (und gigantisches Blog-Echo) gebracht – aber nicht nur dies: Auch finanziell scheint alles im Lot. BBC Online zitiert den Sprecher der Band, Murray Chalmers:
“Although the idea is that you can decide what you want to pay, most people are deciding on a normal retail price with very few trying to buy it for a penny.”
Überrascht das? Mich eigentlich nicht. Warum ist das wohl so?
1. Erklärung: Radiohead ist Radiohead. Die Rechnung hätte wohl ganz anders ausgesehen, hätte eine andere Band das Experiment gewagt. Bei eher unbekannten Bands hätten die meisten die Chance genutzt, für das Album (das sie ja notabene noch nicht kennen) nur so viel zu bezahlen, wie es ihnen wert ist (also weniger als der übliche Verkaufspreis). Bei grossen Kommerzbands und Künstlern andererseits wäre die Hemmschwelle geringer gewesen, ihnen weniger Geld in den Rachen zu werfen, als sie sonst bekommen. Bei Bands mit grossem Label im Hintergrund sowieso. Radiohead sind anders. Erstens bekommt keine andere Band solche Vorschusslorbeeren zugestanden. Zweitens geniesst die Band Indie-Respekt wie kaum eine andere Band dieser Grössenordnung. Irgendwie getraut man sich nicht, Radiohead mit einem tiefen Preis zu geringschätzen.
2. Erklärung: Gewöhnungssache. Viele Radiohead-Fans kommen aus einer Generation, die zwar vollkommen Internet-affin ist, die aber nicht komplett mit dem Internet gross geworden ist. Radiohead-Alben hat man auf Cd oder Vinyl gekauft. Darum ist die Möglichkeit, den Preis für den Download selber zu wählen, eine Überforderung. Und Überforderung führt dazu, dass man sich an Gewohntem orientiert. Sprich: Man bezahlt den Preis, den man als üblichen kennt.
3. Erklärung: Pfadfinder verkaufen Kuchen. Wenn Pfadfinder Kuchen verkaufen, kostet der Kuchen nicht 2 Franken, sondern der Käufer bestimmt den Preis. Mit der Folge, dass viele Leute mehr bezahlen. Zwar muss man beim Eintippen des Preises für die Radiohead-Platte keinem 12-Jährigen Pfadfinder ins Gesicht schauen, trotzdem dürfte der Effekt da sein. Motto: Ein echter Radiohead-Connaisseur weiss die Band mehr zu schätzen als der gemeine Pöbel (aka Modefans) und bezahlt deshalb mehr als üblich. So werden diejenigen ausgeglichen, die sich die Chance nicht nehmen lassen, ein Album legal für einen Spotpreis zu erhalten.
Von David Bauer | 4. Oktober 2007 | 6 Kommentare
MP3 to go (extralang)
Der heutige Aufsteller schlägt zwei Fliegen mit einem Streich: A Mountain Of One, denen man Vergleiche mit Pink Floyd und Fleetwood Mac nachwirft, erhalten von den Schwedischen Cosmic-Disco-Helden Studio das Royal Treatment. Ist mir “Brown Piano” von A Mountain Of One etwas zu kitschig, find ich das Remake von Studio zwar auch kitschig, aber eben nicht 70er-kitschig, sondern 80er-kitschig – und das ist gut so. Interstellarer SloMo-Disco vom Feinsten. Beam me up, Scotty!
A Mountain Of One – “Brown Piano” (Studio Remake)
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(via)
Von Ralph Hofbauer | 4. Oktober 2007 | 1 Kommentar




