Archiv für September 14th, 2007

Tonto plus

Ihr kenntz ja bereits. Battles. Ambitioniert-avantgardistische Elektro-Tech-Spielereien, wie man’s vom Überlabel Warp seit jeher gewohnt ist, mit süffig-melodiösem Indie-Stoner, ganz sanft mit Metal legiert. Nicht mal ein halbes Jahr nach dem fantastischen Mirrored Release erscheint am 22. Oktober die Tonto+ EP mit Bonus DVD, bis dahin muss man sich halt mit dem Video vertrösten…

[flash]http://www.youtube.com/watch?v=2w0VlW9RngY[/flash]

Das einzige Konzert in “Reichweite” findet am 13. Oktober am Enjoyjazz Festival in Heidelberg statt. Übrigens gibtz noch den ganzen September über einen MP3-Ausverkauf aller Warp-Alben auf Bleep.


HIM entsorgen die Metal-Balladen

Bei HIM muss man weit zurückblicken, um etwas musikalisch zählbares in Händen halten zu können. Zuletzt war dies wohl auf dem vor knapp zehn Jahren erschienenen Album “Greatest Love Songs Vol. 666″ der Fall. Danach folgte ein kommerzieller und medialer Aufstieg, verbunden mit einem musikalischen Abstieg. Dieser gipfelte im letzten Studioalbum “Dark Light” mit überwiegend pseudo-romantischen Metal-Balladen – auf die unterirdische Coverversion von “Summer Wine” soll hier nicht näher eingegangen werden.

Mit dem heute erschienenen “Venus Doom” (Sire/Warner) ziehen Sänger Ville Valo und seine Mitstreiter den Karren in einem Ruck wieder aus dem Charts-Dreck. Es geht ruppiger und abwechslungsreicher zu und her als auf den letzten Werken. Einerseits haben HIM wieder die lauten und harten Gitarren ausgepackt, andererseits sind die Melodien durch überraschende Momente angereichert. Im Titeltrack “Venus Doom” setzt die Band auf eine düster-gothische Stimmung im Zwischenteil, die stellenweise an die finnischen Kollegen von den 69 Eyes erinnert. Ausserdem dauern die Songs im Schnitt rund 5 Minuten. “Song Or Suicide” ist die eine, kurze und akustische Ausnahme, in der Ville bis in die tiefsten Niederungen seiner Stimmlage herunter steigt. Das zehnminütige “Sleepwalking Past Hope” ist die andere, vielschichtig aufgebaute Ausnahme. Die musikalische Offenbarung ist “Venus Doom” natürlich nicht. Aber wenigstens ein Schritt in die richtige Richtung, der den Status, den HIM in der jüngeren Gothic-Metal-Szene innehatten innehaben, rechtfertigt.

MP3-Player-Gebühr: Wer wirklich profitiert.

Wer sich Ende September den neuesten iPod (nicht den Touchdings, sondern den normalen, der nun bereits Classic heisst) mit 160 Gigabyte Speicher kauft, der bezahlt 81 Franken Urheberrechtsgebühren an die Suisa, die Rechteverwalterin in der Schweiz. Das ist eine Menge Geld, fürwahr, aber schliesslich, so die Suisa, kommt dieses Geld ja den Schweizer Musikschaffenden zu gute. Nun kann man diskutieren, warum die Schweizer Musikschaffenden etwa 10 Mal mehr Urheberrechtsgebühren aus Mp3-Leerdatenträgern benötigen wie die Kollegen in Deutschland. Man kann aber auch einfach mal eine Rechnung aufstellen, wie sich die 81 Franken denn tatsächlich verteilen.

(Die Berechnung stützt sich auf den Jahresbericht 2006 der Suisa.)

Von anfänglich 81 Franken, die der Konsument bezahlt, bleiben also rund 13 Franken für Schweizer Urheber (Songschreiber, Komponisten, Songtexter) übrig (die Suisa hingegen kassiert 17 Franken – irgendwie muss sie ihre Kosten decken, der Durchschnittlohn für eine 100%-Stelle beträgt 111’000 Franken). Den Betrag von 13 Franken dagegen teilen sich 11’343 Urheber, die in der Schweiz bei der Suisa angemeldet sind. Fast die Hälfte von Ihnen erhält weniger als 100 Franken pro Jahr vergütet. 100 Franken kostet die Mitgliedschaft bei der Suisa.


Ein Ho(o)ch auf die 90ies! «…undress me everywhere»

Welches ist denn eigentlich der ultimative 90ies Track?
Welcher Song enthält in nuce den Zeitgeist dieses Jahrzehnts?

Barbie Girl von Aqua (1997). Ein enorm nervender und extrem kitschiger Song, klebriger Bubblegum Pop halt. Einfach ideal, um die 90er zu repräsentieren. Irgendwo zwischen latino-angehauchtem Sommerhit und clubbigem Eurodance. Gleichzeitig begleitet den Song eine doch ordentlich ironische Note, die eigentlich federführend ist. Richtig deutlich wird das aber erst in Kombination mit dem Video.

[flash]http://www.youtube.com/watch?v=zEzh10_xoqw[/flash]

Wieso ist Barbie nicht blond? Der Puppenhaus-Kitsch des Clips ist sonst ja nahezu perfekt. Es wäre ein leichtes gewesen der Frontquietscherin Lene einen Blondschopf zu verpassen und auch Ken hätte man etwas arischer modellieren können. Diese bewussten Defizite in der visuellen Realisation korrelieren mit den amüsant doppeldeutigen Sing A Long-Lyrics. Es ist kein Wunder, das Mattel darin einen Frontalangriff auf ihre den Kindern vermittelte Welt des Konsums sah und in Folge gegen Aqua klagte. Aber es ist nicht nur Mattel, die im Song ihr Fett weg kriegten. Barbie steht prototypisch für eine ganze Industrie, die mit überlandenem Product-Placement und billig produziertem Merchandise seit Mitte der 80er die Gehirnströme der Kinder überfluteten. Es waren die Turtles, die Pokémons, die Teletubbies, die Super-Soaker-Spritzpistolen, die Tamagotchies und wie sie alle hiessen, die hier implitzit angepisst wurden, auch wenn ich persönlich nicht glaube, dass diese Botschaft bei vielen angekommen ist…

Bei uns hielt Barbie Girl fünf Wochen lang die Spitzenposition der Charts und blieb doch insgesammt 27 Wochen (Okt. 97 – April 98) in der Hitparade. Unverbindliche Kaufempfehlung: Man findet die Single zur Zeit in nahezu jedem Brockenhaus für meist nicht mal einen Stutz… Übrigens, auf Youtube finden sich auch äusserst viele zum Teil sehr amüsante Varianten des Songs.


Lasst uns emotional sein

Über Musikstile lässt sich bekanntlich streiten. Über Qualität allerdings nicht. Man mag den Bernern Goodbye Fairbanks vorwerfen können, dass sie mit ihrem Emo-lastige Sound nicht gerade den (Haupt-)Nerv der Zeit treffen. Aber hey: lieber eine verdammt gute Emo-Band, als eine leichtgewichtige Kopie einer bereits ziemlich dürftigen “Retro-New-Wave-bla-bla”-Hype-Band aus England, geschweige denn sowas. Zum Punkt: Goodbye Fairbanks haben diese Woche eine neue Single veröffentlicht mit zwei Songs, die auf das Mitte 2008 kommende Debüt “gluschtig” machen sollen. Und sie erfüllen ihre Aufgabe gekonnt.

Goodbye Fairbanks – Way Past Your Bedtime

Musikvideo: Adobe Flash Player (Version 9 oder höher) wird benötigt um dieses Musikvideo abzuspielen. Die aktuellste Version steht hier zum herunterladen bereit. Außerdem muss JavaScript in Ihrem Browser aktiviert sein.

Goodbye Fairbanks – It Felt Like August

Musikvideo: Adobe Flash Player (Version 9 oder höher) wird benötigt um dieses Musikvideo abzuspielen. Die aktuellste Version steht hier zum herunterladen bereit. Außerdem muss JavaScript in Ihrem Browser aktiviert sein.


Radio Casablanca: MP3 des Tages

Heute ein Gedicht von einem Song, geschrieben vom vielleicht eloquentesten Dichter des Indierockzirkus, Will Sheff von Okkervil River. Das neue Album der Band aus Austin, Texas, “The Stage Names” (Jagjaguar/Irascible), wurde bei uns zum Plichtstoff und Gänsehautgaranten erklärt und hat seither kein bisschen von seinem Reiz verloren. Ein Album wie geschaffen für diese schönen Herbsttage, so auch “Plus Ones”, dessen Zahlenmagie Hördurchgang für Hördurchgang mehr verzaubert. Könnte ich aus meinem brennenden MP3-Player nur einen Song retten – dieser wäre es.

Okkervil River – “Plus Ones”

Musikvideo: Adobe Flash Player (Version 9 oder höher) wird benötigt um dieses Musikvideo abzuspielen. Die aktuellste Version steht hier zum herunterladen bereit. Außerdem muss JavaScript in Ihrem Browser aktiviert sein.


Heavy Metal in Bagdad

“Death on the Road” heisst ein Iron Maiden-Album. Angesichts der bitteren Realität im Irak braucht es wohl als dort praktizierende Metal-Band sehr viel Selbstironie und Zynismus. Und die beweist die angeblich einzige Irakische Metal-Band Acrassicaudas (Schwarzer Skorpion). Auch wenn die Band zurzeit den American Way of Life geniesst und durch viel US-Medienpräsenz ihre Konzerterfahrung etwas ausbauen konnte – im Irak konnten sie innerhalb der letzten sechs Jahre ebensoviele Konzerte spielen -, droht ihnen bald die Rückkehr, da ihre Visa ablaufen. Vom Leben als irakische Metalband im unwirtlichen Bagdader Musik-Untergrund berichtet der Dokumentarfilm “Heavy Metal in Baghdad” von Vice Films und VBS.tv, der dieser Tage am Toronto Film Festival seine Premiere feiert.

> Trailer