78s has left the building. ¯\_(ツ)_/¯

78s-Motel: Die CH-Musikszene saugt. Ein Pamphlet.

Von    |   11. August 2007   |   40 Kommentare

Die Schweizer Musikszene ist geprägt von Durchschnittlichkeit und Konsensmusik, zu der sich gegebenenfalls sogar Doris Leuthart bekennen könnte. Die letzte Single der Lovebugs: woran hat sie Euch erinnert? Coldplay, Keane und Konsorten? Die Lovebugs verfügen über das zweifelhafte Talent, England konsequent ein paar Jahre hinterher zu hinken. Produziert wird eine Britpopsauce der übelsten Art; musikalisch etwa so gewagt wie ein Sprung vom Beckenrand ins Nichtschwimmerbecken.

Eine weitere Band, die sich seit ihrer Gründung vehement und äusserst erfolgreich gegen den Zeitgeist zu sträuben vermag und sich weder um Trends noch um Qualität schert, ist Gotthard. Zugegeben, ein leichtes Opfer! Fast könnten sie einem Leid tun, wie sie dümmlich in die Kameras linsen und grenzdebile Sätzli in die Mikrophone stottern.

Aber was hacke ich hier auf den Lovebugs und Gotthard herum? Die wollen von ihrer Musik leben und da muss man in der Schweiz halt den einen oder anderen Kompromiss eingehen. Zu viele, wie ich meine.

Die genannten Bands stehen hier stellvertretend für die Durchschnittlichkeit, welche sich in der Schweiz schon lange als Qualitätsstandard etabliert hat. Die Deutschschweizer Musikszene ist im Allgemeinen ja auch kaum der Rede wert. Ein paar löbliche Exponenten gilt es jedoch ehrenhalber zu erwähnen: Die Arbeitstiere von den Peacocks, Admiral James T. oder die Indienerds von Disco Doom. Sie alle machen Musik mit Substanz und hohem Qualitätsanspruch.

Alle anderen Bands, die ständig irgendwelchen anderen Bands hinterher rennen und dabei jede erkennbare Spur von Originalität vermissen lassen, kann man getrost überhören. Sie verschwenden ihre und letztlich auch unsere Zeit. Aber immer schön wichtig tun; einen dicken Myspace-Auftritt mit professionellen Fotos und Millionen von Freunden. Dabei fehlt es an allen Ecken und Enden; an Talent, an Originalität, und an Qualität.

Ein Highlight der Schweizer Musikszene – man könnte fast schon sagen „das Fieberbarometer der Schweizer Musikszene“ – ist Weekend Music auf SF DRS. Moderationstalent Dani Beck lädt Woche für Woche unnötige Bands zu sich ins äusserst stilvoll eingerichtete Studio ein, um ihnen aufschlussreiche Sätze wie: „Ou ja, isch lässig gsi am Gurte letscht Jahr“ zu entlocken.

Erbärmlich das alles, isn’t it?

Patrik spielt, ebenfalls erbärmlich, Gitarre in der unbedeutenden und überbewerteten Instrumental-Band Kid Ikarus. Er ist Mitbegründer des unspektakulären und finanzschwachen Indielabels Ikarus Records.

Illustration: Sarah von Blumenthal