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  • obskuradio Vol. 20 – Jubiläumsausgabe: Moondog

    Von    |   16. Juli 2007   |   0 Kommentare

    Im New York der 50er und 60er Jahre gab es an der 6th Avenue eine Sehenswürdigkeit aus Fleisch und Blut zu bestaunen. Tag für Tag bezog vis-á-vis des Hilton-Hotels eine bizarre Gestalt Stellung: Ein blinder Wikinger mit Rauschebart, der sich Moondog nannte und auf selbstgebastelten Instrumenten spielte oder einfach nur dastand mit seinen Hörnern und seinem Speer.

    Passanten mögen ihn für einen exzentrischen Spinner gehalten und als Don Quijote der Gegenwart verspottet haben. Igor Stravinski nannte ihn „einen ernstzunehmenden Komponisten“, Leonard Bernstein „ein seltsames Genie“, Charlie Parker sah in ihm einen Geistesverwandten, die Hippies vermuteten in Moondog einen blinden Seher.

    Die Musik von Thomas Harding alias Moondog war so andersartig wie seine Erscheinung. Einerseits komponierte er nach strengen formalen Regeln: Der Kontrapunkt, der seit der Renaissance das Kernstück der Kompositionslehre bildet, war seine Obsession. Andererseits gewann Moondog durch seine Faszination für Jazz und indianische Rhythmen eine Freiheit, die seine Musik visionär wirken lässt: „Rhythmisch könnte man mich der Moderne, ja der Avantgarde zurechnen; melodisch und harmonisch der Klassik.“

    1974 blieb „Moondog’s Corner“ an der 6th Avenue plötzlich leer. Moondog galt als verschollen, wurde aber in Tat und Wahrheit vom Hessischen Rundfunk nach Deutschland eingeladen – und blieb. Er liess sich auf norddeutschen Strassen nieder, bis ihn eine mitleidige Studentin von der Strasse holte, ihm seine Wikingerkluft ausredete und ihm half seine Musik auf Papier und Platte zu bringen. 1989 gab er in New York ein vielbeachtetes Comeback, zehn Jahre später verstarb er im Alter von 83 Jahren. Moondog hinterliess rund 30 Tonträger.

    moondogeicher.jpg„Birds Lament“
    [audio:http://www.78s.ch/wp-content/uploads/2007/06/moondogg.mp3]

    „Oasis“
    [audio:http://www.78s.ch/wp-content/uploads/2007/07/moondog-a-new-sound-01-oasis.mp3]

    „All Is Loneliness“
    [audio:http://www.78s.ch/wp-content/uploads/2007/07/moondog-all-is-loneliness.mp3]

    (Ja, das ist Stephan Eicher.)

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