78s has left the building. ¯\_(ツ)_/¯

„Ich kaufe ja eigentlich nur mint.“

Von    |   30. Oktober 2006   |   3 Kommentare

Finde die 5 GlatzköpfeIch habe mir heute wieder mal die Plattenbörse im Zürcher Volkshaus angetan, wo sich zweimal im Jahr Vinylophile treffen. Wo Spiesser im Rock’n’Roll graben, Nostalgiker in Erinnerungen schwelgen und Althippies auf der Suche nach der verlorenen Zeit sind.

Musiknormalverbraucher würden nur Bahnhof verstehen, wenn sie mitbekämen, wie hier über Raritäten, Diskografien und Preise gefachsimpelt wird: „Hast du die Originalpressung mal gesehen?“ – „Die ist grün und ziemlich dickes Vinyl, gell?“ – „Genau, auf Prestige. Ich hab die mal bei einem Franzosen bestellt. Furchtbarer Zustand, ich kauf ja eigentlich nur mint. Mit diesen Franzosen kann man einfach nicht geschäften.“

Bild: Der typische Plattensammler trägt Glatze, Windjacke oder Ledergilet.

Viele der rund 60 Händler haben seit Jahren ihren Stammplatz. Sie lassen sich in drei Gruppen einteilen: Die schlurfigen Junggesellen mit Nerdbrille, die sorgfältig rasierten Ehemänner mit schütteren Haaren und die ewigen Langhaarrocker mit Achselschweiss. Wenn man sich eine Platte genauer anschaut, sagen sie „Die ist gut“ damit man sie nimmt. Oder sie haben dazu eine Anekdote auf Lager.

Als ich aus dem Volkshaus rauskam, habe ich mir geschworen nie so zu werden, wie die da drin. Doch jetzt, wo ich einer neuen LP beim Drehen zusehe, bin ich mir doch wieder ziemlich sicher, dass die Platte das eleganteste Ding ist, das die Maschinen des 20. Jahrhundert hervorgepresst haben. Und so bin ich wohl für immer den Rillen verfallen. Bis ich ein nostalgischer, spiessiger Glatzkopf bin.