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  • 78s has left the building. ¯\_(ツ)_/¯

  • kickass lyrics
  • Pythagoras, Bach und Ray Charles

    Von    |   16. August 2006   |   0 Kommentare

    Man könnte meinen die Schatzkammern der Popgeschichte seien geplündert, sämtliche Mythen verschachert und alle Legenden biografiert worden. Shuggie Otis, Nick Drake, Townes Van Zandt, Mulatu Astatke, Ananda Shankar – die Liste der erst posthum zu Ruhm gelangten Genies ist lang. Mit Judie Sills wird sie um eine Folk-Chanteuse mit Affinität zu Gospel und Barock länger. Ihre kurze Karriere lang stand Sills im Schatten von Joni Mitchell und Carole King. Ein wenig Airplay erhielt lediglich ihre poppige, nicht unbedingt repräsentative Single „Jesus Was A Cross Maker“ (dem einzigen Song auf ihrer freu(n)dlosen MySpace-Seite).

    Angesichts der wenigen vorhandenen biografischen Eckdaten ihres kaputten Lebens erstaunt der geradezu pastorale Optimismus, den die Musik von Judee Sill ausstrahlt. Ihre Jugend verbrachte Sill auf der Flucht vor ihren alkoholabhängigen Eltern, sie hielt sich als Barmusikerin über Wasser, verfiel bald selbst den Drogen, beging mehrere Überfälle und landete auf dem Drogenstrich. Nach einem abermaligen Knastaufenthalt beschloss sie schliesslich, ihr Heil in der Musik zu suchen, was ihr über zwei Alben hinweg gelang, die 1971 und 1973 erschienen und nun als Doppel-CD „Abracadabra – The Asylum Years“ (Rhino/Warner) wiederveröffentlicht wurden. Sill begann darauf mit der Arbeit an einem dritten Album, wurde aber von ihrer Heroinsucht eingeholt und starb 1979 an einer Überdosis.

    Ihre drei grössten Einflüsse seien Pythagoras, Bach und Ray Charles, soll Judee Sill einmal gesagt haben. Tatsächlich findet sich in ihrem Werk Präzision, Grösse und Seele. Ihre harmonischen Idyllen lassen sich zwischen Vashti Bunyan und Brian Wilson ansiedeln, wenn man die Pedal Steel-Gitarren wegdenkt. Sie selbst nannte ihre Musik „Country-Cult-Barock“ und das trifft den luftigen Sound ihrer Streicher- und Oboen-getragenen Songs gut. Zum Glück erstarrt die spirituelle Aura ihrer Musik nur selten in esoterischem Kitsch, sondern weist auf unprätentiöse Weise Richtung Himmel, wo Judee mit den Engeln singt.

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