Archiv für August 2nd, 2006

Rhythmus bei dem man mitmuss

Bei The Thermals gibt’s Rhythmus, bei dem man mitmuss. Das dritte Album der Amerikaner, “The Body, The Blood, The Machine” (Sub Pop/Irascible Vö: 22.8.), versorgt uns mit Gütesiegelware in der Schnittmenge von Punk, Indie Rock und Pop. In Bildern gesprochen: The Thermals zeigen, wie Weezer hätten tönen können, wenn die mal ihren Finger aus dem Allerwertesten genommen hätten. The Thermals tönen nach Kampf, Aufruhr nach Bewegung, Weezer nach Kifferromantik. Das Neue wird wohl etwas mehr als 60 Dollar gekostet haben. Soviel mussten sie angeblich für ihr Debüt aufwenden. Demenstprechend scheppert’s nicht mehr so. Lo-Fi ist aber weiterhin Trumpf, und Hits liefern sie auch wieder wie am Fliessband, wie “A Pillar of Salt” beweist:

Musikvideo: Adobe Flash Player (Version 9 oder höher) wird benötigt um dieses Musikvideo abzuspielen. Die aktuellste Version steht hier zum herunterladen bereit. Außerdem muss JavaScript in Ihrem Browser aktiviert sein.


Remmidemmi

Den Kopfnickern sind sie zu elektronisch, den Elektronikern zu kopfnickerisch. Wer beides mag, ist mit Deichkind bestens bedient. Ihr dritter Langspieler “Aufstand im Schlaraffenland” wurde vor zwei Monaten freigelassen. Darauf ist gut erkennbar, dass Deichkinds Motivation zum Musikmachen weder selbstverliebter noch politische Natur ist; Spass soll es machen. Auch und vor allem live. Auf der Bühne sind die Bremer unberechenbar. Im Rahmen der ersten Plan B Elektro Sessions treten Deichkind am 16. August zu später Stunde im Zürcher Kaufleuten auf.


Es war einmal

MTV wurde am 1. August 1981 geboren, also vor 25 Jahren. Ja, wir geben’s zu, wir haben es verpasst, um einen Tag. Aber Fernsehen ist ja schliesslich auch eine ziemlich veraltete Technologie (Augenzwinkern). Beim Roboter gibt’s die Highlights zu einem Vierteljahrhundert Musikfernsehen zum Ankucken und zum Schwelgen.


Nerddancing mit Ok Go!

OK Go! ist eigentlich gar keine schlechte Band. Noch viel besser als ihre Musik sind allerdings ihre Videos. Der Clip zu ihrem Song “A Million Ways” stellte schon so ziemlich alles in den Schatten. Bis heute. Denn nun gibt’s den Nachfolger mit “Here it Goes Again“. Der Erfolg ihrer Clips reicht ihnen aber noch nicht: Auf YouTube unterrichten sie nun sogar Nerddancing und lancierten einen Nerddancing-Contest. Dance or Die!


Gern Gehörtes

Am 4. August erscheint der Hochsommer-Soundtrack für Verliebte: Klee “Zwischen Himmel und Erde” (Ministry Of Sound/Musikvertrieb). Das Kölner Trio kommt zur richtigen Zeit mit der richtigen Musik, die wirkt wie eine Umarmung. Indie-Pop von der zärtlichsten Sorte. Nichts allzu Neues aber immer wieder gern Gehörtes. Ein “Bild” davon kann man sich hier machen. Und richtig anschauen sollte man sie sich am 31. August an den Winterthurer Musikfestwochen (gratis) oder am 1. Oktober im Mascotte (kostenpflichtig).


Billy the Killy

Was bisher nur eingefleischte Fans wussten, Martin Gretschmann, alias Console, führt auch ein zweites Pseudonym. Und das hört auf den Namen Acid Pauli. Von Acid Pauli gibt’s ein lustiges Fischli/Weiss-Adaptions-Video (Ausschnitt des Originals hier) namens “Billy the Killy”. Der Sound von Acid Pauli ist minder interessant. Auf das Ende August erscheinende neue Console-Album “Mono”, dürfen wir uns trotzdem freuen.


Rock Action – und zwar sowas von

Hat euch schon einmal ein Japaner aus voller Kehle angeschrien? Ich kann’s nur wärmstens empfehlen. Insbesondere dann, wenn der Schreier Tetsu Fukagawa heisst und dies auf dem neuen Album von Envy tut, “Insomniac Doze” (Rock Action/Musikvertrieb).
Obschon Envy auch musikalisch niederknienswertes bieten, ist Fukagawas Organ das prägende Element bei Envy. Es ist dieses eruptive Schreien, das den Kontrast von laut und leise, wie man ihn von Post-Rock Bands kennt, noch extremer macht (für die Schubladenfans sei an dieser Stelle angemerkt: Envy sind nicht direkt Post-Rock, eher Post-Hardcore wohl, oder fernöstlicher Screamo).

So gleitet etwa in “Scene” (Übersetzung aus dem Booklet, die Songs sind alle in Japanisch) die Musik behutsam voran, Fukagawa murmelt und flüstert im Hintergrund beschwörend, und plötzlich holt er Luft und schreit, schreit, schreit. Wie ein sterbender Bison, der dazu noch sehr heiser ist. Was natürlich durchaus praktisch ist, denn wer so singschreit, der ist danach und beim nächsten Song ohnehin heiser.

Es verwundert wenig, dass Mogwai, selber Virtuosen des laut/leise-Wechselspiels mit starker Affinität zum Lauten, die Japaner bei ihrem Label Rock Action unter Vertrag haben. Dieser Sound geht durch die Decke wie ein geschliffenes Samurai-Schwert durch Butter. Er ist laut, unbändig wild, dann wieder zierlich und organisiert und – ja! – immer erstaunlich melodiös. Man mag sagen: Viel Veränderung zu den Vorgängeralben ist nicht zu hören. Richtig, aber ein Samuraikämpfer strebt auch nicht nach Abwechslung, sondern nach Perfektion.

Ab dem 25. August sollte diese Platte eigentlich in jedem wohlsortierten Plattenregal stehen. Aber nicht dass ihr mir jetzt in den ExLibris rennt und nach Envy fragt…


C’est chic fürs Wochenende

Hin- und Hergerissen? Verständlich, denn sowohl der “Imfluss“-Event in Basel, als auch das Stonehill-Festival in Alterswil (FR) bieten dieses Wochenende ein vorzügliches Programm. In der Joggelistadt traut sich der Admiral James T am Samstag 5. August von seinem Winterthurer Kreuzfahrtdampfer auf das Basler Floss und kriegt sicherlich keine nassen Füsse. Am Freitag 4. August wollen Favez (Bild) am Stone Hill-Festival nach langer Auszeit beweisen, dass alter Wein eben doch besser mundet.

Mouse on Mars – Freitag 4. August, Stone Hill Festival Alterswil

Manana – Freitag 4. August, Stone Hill Festvial Alterswil

The Verre Perdu – Freitag 4. August, Imfluss Basel

Featuring Jim – Samstag 5. August Stone Hill Festival Alterswil

The Rolling Stones – Samstag 5. August Dübendorf

Stadtsommer (oder eher Anstattsommer, höhö) – 3.-12. August Zürich

Simon, die alte Frau Van Cleef und Ich Festival – Samstag 5. August Trier (D)